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Friedrich Christian Christiansen (*1879; †3.12.1972), einer der erfolgreichsten Seeflieger des Ersten Weltkrieges, war ebenfalls auf der der Seeflugstation Holtenau stationiert. In weiten Kreisen bekannt wurde er 1914 auch durch einen zehneinviertelstündigen Dauerflug von Hamburg-Fuhlsbüttel über Neumünster-Kiel bis nach Leipzig, wobei er den damaligen Dauerweltrekord für Eindecker nur um 5,4 Minuten verfehlte.
Daß ein Offizier, dessen berufliche Laufbahn als fünfzehnjähriger Schiffsjunge bei der Handelsmarine begann und über den mit dem Pour le Merite ausgezeichneten Marineflieger des I. Weltkrieges bis zum General der Flieger der Luftwaffe des II. Weltkrieges führte, gegen dessen Ende schließlich einige Monate lang Oberbefehlshaber einer Armee des Heeres war, ohne jemals eine Heeresuniform getragen zu haben, ist gewiss etwas Außergewöhnliches.1
Abb.: Friedrich Christiansen.
Zuerst Handelsschiffskapitän, erwarb er im März 1914 auf einer
Gotha-Hansa-Taube seine Pilotenlizenz (Pilotenschein Nr. 707!) und
begann kurz darauf selbst als Fluglehrer zu arbeiten. Da er einer
der ganz wenigen Flieger mit Erfahrung im Fliegen über See war,
wurde zum Kriegsausbruch im August 1914 als Torpedomannsmaat d. R.
zur Seeflieger-Abteilung im Alter
von 35 Jahren nach Holtenau eingezogen. Zu seinen Aufgaben in
Holtenau gehörte anfangs die Pilotenausbildung bis er im Januar
1915 zur Seeflugstation Zeebrügge in Flandern abkommandiert wurde.
Für seine Einsätze im Krieg — er schoß unter anderem ein
britisches Luftschiff ab — wurde er mit dem Orden Pour le
Merite
ausgezeichnet. Am Ende des Krieges hate er vo
allen Seefliegern die meisten Abschüsse erzielt.
Wie der zwölf Jahre jüngere Hauptmann Oswald Boelcke (1891-1916) als der große Organisator und Taktiker der deutschen Armee-Jagdfliegerei des 1. Weltkrieges gilt, so bedeutete Friedrich Christiansen in etwa das gleiche für das Marineflugwesen, man kann ihn als den Begründer des Luftkampfes bei der Seefliegerei bezeichnen, …2
Nach der Revolution von 1918 gehörte er der 3. Marinebrigade unter Wilfried von Loewenfeld an, einem Freikorps aus Marineangehörigen, das 1919 unter anderem zum Schutz der Reichsregierung eingesetzt worden war und 1920 an der blutigen Niederschlagung des kom-munistischen Spartakistenaufstandes beteiligt war.
Abb.: Die Do-X an der Ablaufbahn der
Seeflugstation in Holtenau.
In der Weimarer Republik war er Kapitän des 10motorigen
Riesenflugbootes Dornier X
,
das am 26. Juli 1932 auch der Seeflugstation Holtenau einen Besuch
abstattete und mit dem er zweimal den Atlantik nach Nord- und
Südamerika überquerte.
Im März 1933 trat Christiansen dann als Ministerialrat in das
Reichskommissariat für Luftfahrt bzw. Reichsluftfahrtministerium
ein und übernahm dort das Amt für Ausbildung und Sport
,
dem wiederum die Fliegerschulen unterstanden. Im Mai 1940 entzog
Hitler die Niederlande der Militärverwaltung und übertrug dem
Reichskommissar die zivile Regierungsgewalt und dem General der
Flieger Friedrich Christiansen die militärischen Hoheitsrechte.
Abb.:
Friedrich Christiansen als General der Flieger
am Steuer
einer Messerschmidt Taifun.
Christiansen wurde nach dem Krieg in den Niederlanden zu 12
Jahren Gefängnis verurteilt, denn er hatte in seiner Funktion als
oberster Wehrmachtsbefehlshaber in den Niederlanden im Oktober
1944 befohlen, als Vergeltung auf einen Überfall durch Partisanen
das niederländische Dorf Putten
niederzubrennen und 661 Männer des Dorfes — darunter auch Jungen
ab dem 16. Lebensjahr — nach Amersfoort und von dort aus in
verschiedene andere Konzentrationslager zu deportieren. Auch die
anderen Bewohner mußten das Dorf verlassen und die Häuser wurden
niedergebrannt. Nur 49 der auf seinen Befehl deportierten
Einwohner des Dorfes überlebten das KZ.
Christiansen wurde bereits 1951 begnadigt und lebte danach sehr zurückgezogen im Schleswig-Holsteinischen Aukrug/Innien.
Siehe auch:
Flieger von Tsingtauund spätere Kommandant der Holtenauer Seeflugstation.
© Bert Morio — Zuletzt geändert: 29-09-2017