Holtenauer Geschichte

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Schiffsausrüstergeschäft Zerssen

Erst der Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals brachte den Holtenauer Schiffsmaklern und -händlern den ersehnten Aufschwung. Die bekannte Firma Zerssen war beispielsweise in Holtenau bis 1894 nur durch einen Agenten vertreten und baute erst im Jahr 1895 in der Kanalstraße Nr. 46 ein Wohn- und Kontorhaus. Schon zwei Jahre später waren in dieser Niederlassung bereits 5 Angestellte beschäftigt. Diese Niederlassung blieb bis in die 1930er Jahre bestehen. Leiter der Holtenauer Niederlassung war Max Lucks.

Schon 1874 ist ein "Holtenau-Konto" nachweisbar. Aber man hatte doch nur eine lose Vertretung, indem man 1879 H. Grimm, der das Speditionsgeschäft seines Vaters übernommen hatte und seit 1886 auch einen Holz-, dazu seit 1892 auch Kohlenhandel betrieb, der zugleich schwedischer und norwegischer Konsul war, als Agenten für sich vertraglich verpflichtete. Die Vertretergeschäfte bezogen sich lediglich auf Schiffsklarierungen.1

Haus Lucks Abb.: Die Holtenauer Niederlassung in der Kanalstraße 46, die spätere Lotsentreppe zur Königstraße ist noch nicht gebaut.

Schiffsklarierung bedeutete, daß Grimm der Firma Zerssen in Rendsburg die in Holtenau einlaufenden Schiffe mehrmals wöchentlich meldete. Letztlich enschloß man sich aber 1894 dazu, mit Johann M. K. Blumenthal einen eigenen Mann nach Holtenau zu entsenden.

Blumenthal fing an mit einer hölzernen Bude von 10 qm am Außenkai. Wegen Wohnungsnot und um für den Geschäftsbetrieb passende Räume zu schaffen kaufte er von dem Großschlachter Martini einen Bauplatz an der Kanalstraße und errichtete hier 1895 auf eigene Rechnung (er erhielt von der Firma Wohnungsgeld und Miete für das Kontor) ein Haus, das noch heute gegenüber der alten Schleuse steht.2

Tiessen und Zerssen Abb.: Schiffsausrüstergeschäfte von Zerssen und Hermann Tiessen am Kai, dem späteren Tiessenkai.

1897 schon mußte Blumenthal 4, später 5 Angestellte halten, um den Schleusendienst zu versehen. Die Nachtwachen der Makler mußten bei oft stundenlanger Ruhe des Nachtverkehrs auf den Schleusen umherstehen. Bei schlechtem Wetter fanden sie gegen gute Worte Unterkunft in der Bude der Schleusenknechte. Sobald ein fremder Dampfer in die Schleusen einlief, gab es einen großen Wortkampf vom Kai zur Kommandobrücke. Jeder Makler suchte den Kapitän zu überzeugen, daß nur er das Schiff zu klarieren habe.3

Am Vorhafen hatte Zerssen ein kleines Abfertigungskontor für den Außendienst, wo die an Land kommenden Kapitäne der auf der Reede ankernden Schiffe »wahrgenommen« wurden. Damals gab es noch keine Motorschiffe. Wenn denn nach wochenlangen Gegenwinden günstiger Ostwind einsetzte und ganze Flotten von Barken, Schonern, Briggen usw. von Schweden und Finnland mit Holz heransegelten, gab s von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang viel zu tun.4

1901 schied Blumenthal aus dem Betrieb aus und ließ sich in Hamburg als Schiffsmakler nieder; später gründete er eine eigene Reederei. Nachfolger wurde der 1874 in Rendsburg Max Johannes Christian Lucks (*17.05.1874; †1959). Er übernahm die Zweigstelle in Holtenau und wurde im darauf folgenden Jahr auch niederländischer Vizekonsul.

Max Lucks Abb.: Max Lucks.

In den folgenden Jahren stieg die Firma Zerssen auch in das Versicherungsgeschäft ein, denn 1906 wurde die Germania-Versicherung in Berlin gegründet.

Holtenauer Lager Abb.: Innenansicht des Holtenauer Lagers (vor 1939).

Faßlager der Firma Zerssen Abb.: Faßlager der Firma Zerssen (vor 1939).

Nach dem Ersten Weltkrieg konnte man in Holtenau selbst relativ schnell wieder von der Kanalschifffahrt profitieren. So stieg beispielsweise der Bunkerbetrieb der Firma Zerssen schon wenige Jahre nach Kriegsende gewaltig an. Bereits 1920 musste die Firma einen zweiten Bunkerplatz gleicher Größe von der Kanalverwaltung hinzu pachten. Dieser wurde - durch weitere Zupachtungen - bis 1929 auf 15.000 m² Lagerfläche und auf 500 m Kaifläche erweitert. Nicht nur die allgemeine Zunahme der Schifffahrt bedeutete einen erheblichen Zuwachs des Umsatzes, hierzu trug insbesondere auch der englische Kohlenstreik aus dem Jahre 1926 bei. Ein Umschlagvertrag mit Russland aus dem Jahre 1929 vergrößerte den Umsatz noch weiter und erforderte zusätzliche Lösch- und Lagerkapazität. Umgekehrt wiederum bedeuteten das Ende des Vertrages mit der Sowjetunion im Jahre 1931 und die damalige Wirtschaftskrise erhebliche Umsatzverluste.5

Brief nach Holtenau 1906 Abb.: Brief nach Holtenau an die Schiffsausrüsterfirma Zerssen aus dem Jahr 1906.

Die Wirtschaftstätigkeit am Kanal musste im Verlauf des Zweiten Weltkrieges immer mehr eingeschränkt werden und schließlich kam der Verkehr auf dem Kanal nahezu zum Erliegen und damit auch das Geschäft der Schiffsmakler und Schiffsausrüster. Zudem wurde der Handel mit Brennstoffen wie Kohle, Öl aber auch Baustoffen in der Kriegswirtschaft staatlich reglementiert.

Davon waren u. a. auch Unternehmen wie die Traditionsfirma Zerssen betroffen, deren Holtenauer Kontorgebäude zudem im Jahr 1942 fast vollständig durch Bombenangriffe zerstört wurden. Nur die Bunkeranlagen am Kanal überstanden den Krieg nahezu unversehrt.6

In Holtenau hatte bereits im Jahre 1945 die Firma Zerssen im britischen Auftrag wieder das Bunkergeschäft aufgenommen, wobei es hauptsächlich um die Treibstoffversorgung der Minensuchboote der German Minesweeping Administration7 ging. Wenig später wurde auch das Schiffsausrüstergeschäft wieder aufgenommen, vor allem um die Schlepper zu versorgen, die im so genannten Tug-Pool zusammengefasst waren8.

Der Reedereibetrieb

Die Firma Zerssen hatte auch einen Reedereibetrieb ...

Die Frima Zerssen fungierte auch als sogenannter Korrespondent-Reeder:

Die Grenze zwischen Makler, der die Klarierung, Verhandlungen mit Zoll-, Hafenbehörden usw. führt, der in Harbariefällen vermittelt usw.9

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Siehe auch:

© Bert Morio 2016 — Zuletzt geändert: 10-03-2020 07:39

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  1. Zerssen 1939, S. 81. 

  2. Zerssen 1939, S. 82. 

  3. Zerssen 1939, S. 82. 

  4. Zerssen 1939, S. 82f. 

  5. Vgl.: Die Firma Zerssen im Internet, unter: http://www.zerssen.de/popup_historie.htm. 

  6. ebd. 

  7. Der Deutsche Minenräumdienst wurde bereits im Juli 1945 auf Initiative der Briten gegründet und von Hamburg aus geleitet. In Schleswig-Holstein war die 1. Minen­räum­division mit ca. 4.300 Mann im Einsatz. Der Dienst war nicht freiwillig, denn die Besatzungen galten als unbewaffnetes deutsches militärisches Personal (“Disarmed German Military Personnel”). Bis Ende des Jahres 1947 waren 5628 Quadratseemeilen in der Nordsee und 450 Quadratseemeilen in der westlichen Ostsee freigeräumt. 2721 Minen und 693 Sperrschutzmittel waren durch die deutschen Minensucher unschädlich gemacht worden, wobei insgesamt 348 Männer des Deutschen Minenräumdienstes ihr Leben verloren. (Vgl.: Der Deutsche Minenräumdienst German Minesweeping Administration GM/SA , unter: http://www.mandors.de/Teil1.htm.).  

  8. Vgl.: Die Firma Zerssen im Internet, unter: http://www.zerssen.de/popup_historie.htm. 

  9. Zerssen 1939, S. 101.