Holtenauer Geschichte

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Die Holtenauer Post

Einen Postdienst im heutigen Sinne gab es vor der preußischen Annexion Schleswig-Holsteins im Grunde nur in den Städten. Da die einfachen Leute selten weitere Strecken über Land reisten, war es oft der Gutsbesitzer, der die Post beim nächsten Amt abholen ließ.

Brief nach Holtenau 1906 Abb.: Brief aus Dänemark nach Holtenau an die Schiffsausrüsterfirma Zerssen 1906.

Die Preußen organisierten den Postverkehr in Schleswig-Holstein dann nach preußischem Vorbild. Holtenau gehörte fortan zum Postamt Kiel-Bezirk I des Landbriefträgerdienstes. Der für Holtenau zuständige Briefträger mußte täglich eine Strecke von 32 km zurücklegen, auf der er neben Holtenau noch die Dörfer Hassee, Russee, Kronshagen, Suchsdorf und Projensdorf bedienen mußte.

Postamt Königstraße Abb.: Das Postamt in der Königstraße.

Vor der Gründung der Holtenauer Postagentur wurde der Postdienst inoffiziell nebenamtlich durch den Schleusenmeister Conrad Grimm durchgeführt. Die Holtenauer Postagentur befand sich seit dem 1. März 1873 im Haus der heutigen Königstraße Nr. 22 – vor Einführung der Straßennamen in Holtenau hatte das Haus die Nummer 63.

Das Gebäude stand zur damaligen Zeit noch ganz allein zwischen Feldern und Schrebergärten. Von hier aus führte eine heute noch vorhandene steinerne Treppe (Lotsentreppe) den Hang hinunter Richtung Eiderkanal bzw. später Kaiser-Wilelm-Kanal, so daß auch die Schiffer schnell zur Post gelangen konnten. Das Postamt wurde von Herrn Torp geleitet.

Er war der Sohn von Probst Torp, einem Verwandten von Otto Penk. Auf der Kutsche sitzt Bockholt, daneben stehen die Postboten Asbahr, Neumann und Drenckhahn. Im Haus wohnten auch Bäckermeister Wegener und Frau Schönborn, die Friseuse war. Rathmann erwarb das Haus mit seinem Fuhrgeschäft. Herr Rathmann verkaufte es. Sein Sohn baute daneben und betrieb ebenfalls ein Fuhrgeschäft.1

Postamt Kanalstraße Abb.: Das Postamt in der Kanalstraße.

Gegenüber der Post befand sich früher ein mehrstöckiges aus roten Backsteinen errichtetes Haus, welches von den Holtenauern das Rote Schloß genannt wurde.

Im Gründungsjahr der Holtenauer Post wurde auch ein regelmäßiger Postdienst per Pferdepostwagen auf der Strecke Kiel – Holtenau – PriesDänischenhagen eingerichtet. Holtenauer Postbedienstete waren: Herr Bockholt sowie die Postboten Asbahr, Neumann und Drenckhahn.

Abb.: Das Postamt in der Kanalstraße um 1910. Links daneben das Büntig-Haus.

Da sich mit dem Baubeginn für den Kaiser-Wilhelm-Kanal der Postverkehr stark vermehrte bekam die Holtenauer Postagentur im Jahr 1890 den Status eines Postamtes. 1895 wurde ein Kaiserliches Postamt in der Kanalstraße Nr. 25 erbaut. Das Haus an der Ecke zum Wittenbrook hatte einen Kaiseradler im Giebel, vor dem sich die Postbeamten gerne photographieren ließen.

Abb.: Im Dienstzimmer des Postamtes 1914-18. Links Lieselotte Lüder, rechts Henny Dähncke am Morseapparat.

Das Haus wurde 1907/08 gebaut. Im oberen Geschoß wohnte der Postinspektor. Im Postamt taten in den späten 1930er Jahren 3–4 Personen rund um die Uhr Dienst und vermittelten unter anderem auch alle nach Holtenau gehenden Telefongespräche. Da das Postamt rund um die Uhr besetzt war, konnten die Schiffer inoffiziell auch nachts Briefmarken kaufen und die Post aufgeben.

Poststelle Johann-Sump-Straße Abb.: Die Poststelle in der Johann-Sump-Straße.

Zeitweise — etwa um 1900 — war die Holtenauer Poststelle in der Johann-Sump-Straße Nr. 18 untergebracht. Schließlich wurde 1914 aus dem Postamt III. Klasse eines II. Klasse.

Bis 1922 wurde die Post per Fördeschiff nach Holtenau befördert, dann ab dem 1. November 1922 per Postbus auf der Linie Kiel — Holtenau — FriedrichsortDänischenhagen. Diese Postbusse beförderten nicht nur die Post, sondern auch Personen.

Ab 1960 befand sich das Holtenauer Postamt dann in den neu errichteten Gebäuden in der Gravensteiner Straße Nr. 54.

Über die Arbeit des Holtenauer Postamtes schreiben die Kieler Nachrichten im Jahr 1992 folgendes:

"Eine Seekarte nach Singapore, kein Problem." Immerhin gehören solche und ähnliche Sendungen beim Postamt Holtenau zur Regelmäßigkeit. Ob nun in die Südsee oder nach Schweden, für Amtsleiter Reinhardt Kugland und seine Kollegen gibt's kaum einen Sonderfall.
Einer der Hauptkunden ist Kapitän Dieter Stegmann von der rund 48000 Exemplare umfassenden Seekartenstelle auf der Schleuse. Seine Seekarten müssen innerhalb weniger Tage ein Schiff in dem entferntesten Hafen der Welt erreichen. Denn der Kapitän weiß aus eigener Erfahrung: "Ein Schiff kann ohne Seekarte keine Meile sicher fahren." Deshalb nehmen Reinhard Kugland — seit über 30 Jahren im Bereich des Postamtes Holtenau tätig —, Bernd Block und Anna-Isabell Groß auch Sendungen außerhalb der Öffnungszeiten an und leiten sie per Kurier weiter zum nächsten Flughafen.
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Abb.: Henny Dähncke in der Kanalstraße 1915.

Siehe auch:

© Bert Morio 2018 — Zuletzt geändert: 19-07-2019 07:11

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  1. [Heinrich 2002], S. 52. 

  2. Kieler Nachrichten: Wenn der Kapitän schnell eine Seekarte braucht …, 15.12.1992.