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Tote Arm
Der so genannte Tote Arm
dient der Entwässerung des Kanals und
liegt zwischen dem Holtenauer Kanalufer und der nördlichen Schleuseninsel. Es handelt sich
um die Mündung des ehemaligen Eiderkanals.
Da ein nicht geringer Teil der auf Schleswig-Holstein fallenden
Regenmengen letztlich in den Nord-Ostsee-Kanal
fließt, ist es von großer Bedeutung, diesen entwässern zu können,
so daß eine immer konstante lichte Höhe unter den Kanalbrücken gewährleistet ist. Auch für
die Kanalfähren ist ein
gleichmäßiger Wasserstand von Bedeutung.
Abb.: Der Tote Arm
bei Holtenau. Im Vordergrund die noch jungen Platanen in der Kanalstraße. Auch auf diesem Bild
kann man sehen, daß auf der wasserabgewandten Seite der Straße
einst viel mehr Bäume standen als heute. Hier gibt es heute
große Lücken.
Das Entwässungssystem wurde erst bei der Kanalerweiterung von 1907-14 ausgebaut, denn es hatte sich gezeigt, daß der ursprüngliche Plan, den Kanal über die Schleusen zu entwässern nicht zu realisieren war. Denn dies hätte bedeutet, daß die Schleusentore die meiste Zeit über hätten offen stehen müssen, was zu einer Behinderung der Schifffahrt geführt hätte.
Abb.: Das Entwässerungssiel im
Jahr 1913. Man sieht noch die zum Leuchtturm führenden Gleise.
Heute kann man nach regenreichen Tagen immer wieder beobachten,
welche gewaltigen Wassermengen über den Kanal in die Ostsee
abfließen. Die im Wasser schwimmenden Flöße aus Baumstämmen werden
zum Bau von Dückdalben verwendet. Früher befanden sich am Nordufer
des Toten Armes Kleingärten, so
daß nur ein lauschiger schmaler Weg am Wasser entlang führte und
den Toten Arm von der Kanalstraße abschirmte. Inzwischen wurden
die Gärten planiert und eine Streuobstwiese
mit
den alten Obstbäumen angelegt, die vor allen von den Wasservögeln
gerne angenommen wird.
Abb.: Karte Toter
Arm und Schleusen von 1912. Wo heute östlich des
Entwässerungssiels die Sportboote und der Steg des Fischers liegen, befand damals eine
kleine parkähnliche Anlage
An den Toten Arm schließt das eigentliche Entwässerungssiel an, das je nach Wasserstand im Kanal mehr oder weniger stark geöffnet wird, so daß sich hier nach starken Regenfällen erhebliche Wassermassen in die Kieler Förde ergießen. Als der Kaiser-Wilhelm-Kanal geplant wurde, glaubte man noch, man könne die überschüssigen Wassermengen über die Schleusen insbesondere in Brunsbüttel ableiten. Das stellte sich jedoch als Irrtum heraus:
Die Entwässerung durch die Brunsbütteler Schleusen erwiesen sich bei dem raschen Steigen des Kanalverkehrs bald als sehr störend. Die Schleusen waren während der Entwässerungen gänzlich dem Verkehr entzogen. Aber auch auf der anschließenden Kanalstrecke mußte der Verkehr ruhen, da die starke Strömung der Schiffahrt gefährlich wurde. Dazu kam, daß die Entwässerung durch die Brunsbütteler Schleusen häufig gerade dann versagte, wenn man ihrer besonders dringend bedurfte. Denn bei regnerischem Wetter sind westliche Winde vorherrschend, diese aber haben in der Regel höhere Wasserstände in der Elbe zur Folge, bei denen eine wirksame Entwässerung in Brunsbüttel nicht möglich ist.1
Für die Entwässerung des Kanals in die Ostsee hat man den beim Bau des Kanals zugeschütteten Lauf des alten Eiderkanals nördlich der bestehenden Schleusen wieder ausgehoben und in ihn ein mit elektrisch angetriebenen hölzernen Gleitschützen versehenes Entwässerungssiel von 17 m Gesamtlichtweite eingebaut.2
Westlich der Streuobstwiese befindet sich inzwischen ein kleiner
Parkplatz, der vor allem den Tiessenkai
entlasten soll, der regelmäßig durch parkende Autos verschandelt
wird. Daran schließt in Richtung Kanalfähre
der so genannte Steinplatz
an, den das Wasser- und Schifffahrtsamt zur Lagerung von
Baumaterialien nutzt, gefolgt von einer kleiner Anlegestelle und
Abstellfläche für Segelboote. Direkt anschließend der Holtenauer
Anleger für die Kanalfähre.
Abb.: Rechts die Alte Wache an der Holtenauer Auffahrt auf die Schleusen.
Infolge der Kanalerweiterung
1907-14 wurde auch der Verlauf zwischen der Prinz-Heinrich-Brücke und
der Levensauer Hochbrücke
für die größeren Schiffe begradigt und erweitert. Vom
ursprünglichen Kanalbogen, der mehrere hundert Meter weiter
nördlich verlief, blieb noch bis nach dem Zweiten
Weltkrieg ein kleiner Rest gleich westlich der Villa Hoheneck bestehen und wurde
immer wieder wie ein kleines Hafenbecken benutzt.
Abb.: Der
ehemalige Kanalverlauf hinter der Villa Hoheneck.
Abb.:
Blich von der Prinz-Heinrich-Brücke im Juni 1945. Unten sieht
man noch die Anlegestege der XI. Hafenschutzflotille
3,
deren Soldaten in der Villa Hoheneck stationiert waren.
Abb.: Postkarte aus den 1960er Jahren.
Abb.:
Das Entwässerungssiel im Oktober 2018.
Abb.: Der Tote Arm im Juni 2022 (© Bert Morio
2022).
Siehe auch:
© Bert Morio 2019 — Zuletzt geändert: 18.06.2022
Zentralblatt der Bauverwaltung, 11. Juli 1914, S. 409f. ↩
Zentralblatt der Bauverwaltung, 11. Juli 1914, S. 410. ↩
Siehe hierzu auch: Der Marinekommissar für den Kaiser-Wilhelm-Kanal! ↩