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Seit über 200 Jahren gehen die
Holtenauer in eine eigene Schule im Ort. Die erste echte
Schule auf dem Gebiet des Gutes Seekamp
wurde jedoch bereits 1706 in Pries gegründet. Die Prüfungen der
Schulmeister wurden damals durch den Pastor
der Kirchengemeinde Dänischenhagen
durchgeführt, zu der auch Holtenau gehörte. Dabei wurden neben den
Fähigkeiten in Lesen, Schreiben und Rechnen vor allem die
Bibelkenntnisse geprüft. Gleichzeitig übernahm der Pastor die
Schulaufsicht.
Abb.: Die erste Schulkate in der Dorfstraße war gleichzeitig
das Wohnhaus des ersten Holtenauer Schulmeisters, der selbst
noch ein Leibeigener des
Gutes Seekamp war.
Die Schulpflicht hatte ihren Vorläufer in der Konfirmation, die nach der Reformation eingeführt wurde. Durch sie waren alle 15 und 16jährigen Dorfkinder dazu angehalten, den Katechismus auswendig zu lernen. Der Unterricht wurde demzufolge durch den Pastor durchgeführt. Durch einen Synodalbeschluß von 1711 wurde die Schulpflicht eingeführt: mit einem Unterrichtstag pro Woche – auch im Sommer. Bevor die Holtenauer Kinder die Schule in Pries besuchen konnten gab es seit ungefähr 1650 die Möglichkeit, in Dänischenhagen am Unterricht teilzunehmen.
Wie bereits oben angedeutet, handelte es sich wohl um einen eher unregelmäßigen Katechismus-Unterricht. Dabei darf man natürlich auch nicht die große Entfernung von Holtenau nach Dänischenhagen unberücksichtigt lassen. Im Dänischenhagener Kirchenbuch wird 1651 der Schulmeister Johannes Büller und 1698 ein Schulmeister namens Engers erwähnt. Der Schulbesuch der Holtenauer Kinder war aufgrund der Hoftage schwierig (siehe Leibeigenschaft) und der Unterricht trug wie auch in anderen Dorfschulen kaum Früchte.
Im Archiv des Kirchspiels Dänischenhagen findet sich ein Visitationsbericht des Pfarrers von 1754, in dem der folgende Abschnitt einen zeitgenössischen Einblick in Unterricht und Schulbesuch gewährt.
In dem Kirchdorf ist eine Schule, welche der Küster hält. Außerdem befinden sich in den Gütern Bülk eine, Seekamp zwei, Knoop eine, Kaltenhof eine. Die Kinder der beiden Dörfer Sprenge und Stohl, welche nach Neuenhof gehören, haben ihre Schule in dem Neuendorfer Armenhause; weil aber der Weg dahin etwas entfernt ist, wäre es zu wünschen, daß in einem jeden Dorfe, besonders in Sprenge, eine Schule nötig, damit die Kinder in ihrer ersten Jugend selber lesen können, denn wenn sie nur ein wenig erwachsen und zur Arbeit geschickt sind, werden sie von der Schule abgehalten. Es ist überhaupt zu beklagen, daß die Kinder nicht fleißiger zur Schule angehalten werden. Die eigenen Leute haben zwar freie Schule, aber es fällt schwer, wenn den etwas erwachsenen Kindern ihre Hofdienste erlassen und sie zur Schule gesendet werden sollen. Kaum daß sie Erlaubnis erhalten, einige Tage in der Woche dahin zu gehen; auch diese Erlaubnis währt oft nicht lange.1
Des Sommers wird zwar Schule gehalten, aber es finden sich wenige Kinder. Oft ist der Unverstand der Eltern, oft die Entfernung von der Schule, oft aber der freien Leute Armut schuld daran, welche das Schulgeld nicht bezahlen können. Es wäre zu wünschen, daß ein Mittel erfunden würde, auch ihren Kindern freie Schule zu verschaffen.
Der Schulbesuch der Holtenauer Kinder war aufgrund der vielen Hoftage schwierig und der Unterricht trug wie auch in anderen Dorfschulen kaum Früchte. Dies wird auch in der nachfolgenden Beschwerde der Prieser Hufner deutlich, traf wohl aber in einem ähnlichen Maße auch auf die Holtenauer Schulkinder zu:
Derer Untertanen von dem Hochgräfichem Gute Seekamp absonderlich des Dorfes Pries. Dass unsere kleinen Kinder die schweren Hoftage abhalten müssen und zur Schulen und Gottesdienst kommen können, obschon der Herr Kammerjunker Hahn uns zu dem Ende eine Schule aufgerichtet, wofür wir und unsere Nachkommen demselbem nicht genug danken können, uns wäre also höchst billig, dass die Hoftage dergestalt moderiert (=gemäßigt) würden, damit unsere Kinder in Zeiten zur Gottesfurcht gehalten und im Christentum, als das Höchstnötigste erbauet werden möchten. […] Leben also des untertänigsten Vertrauens Eure Hochgräfichen Gnaden als unserer Hochgebietenden Herrschaft werden gnädig geruhen, diese uns so sehr schädliche Belastung in consideration [=Erwägung] zu ziehen, und daher an christlicher compassion [=Mitgefühl] zu uns armen Untertanen die Verfügung machen zu lassen, dass wir in dem Stande erhalten werden mögen, unsere devoirs [=Pfichten] mit Freuden zu praestieren [=tun]. Wir wollen uns hingegen als getreue Untertanen gebührent verhalten. Massen wir dann in aller submission [=Ehrerbietigkeit] erstreben.
Ew. Hochgräficher Gnaden untertänige und getreueste Untertanen.
Im Jahre 1741 bekamen die Holtenauer mit Johann Mähl (oder Möhl)
ihren ersten eigenen Schulmeister
. Dieser war von
Beruf Schneider und vom Status ein Unfreier
, also
ein Leibeigener
des Gutes
Seekamp (siehe "Das
Leibeigenendorf Holtenau"). Der Schulunterricht fand in der
einen Hälfte einer Kate, die sich in der Holtenauer Dorfstraße
befand statt — d. h. in der heutigen Richthofenstraße an Stelle
des Gebäudes Nummer 27, der alten Misfeld’schen Kate, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Dieses
Grundstück wurde 1943 durch den Milchhändler Seemann
erworben und neu bebaut.
Diese Kate diente dem Holtenauer Schulmeister – wie zu damaliger
Zeit üblich – gleichzeitig als Wohnung und Werkstatt. Neben dieser
Dienstwohnung
standen dem Schulmeister ein Lohn
von 7 Reichstalern, eine Tonne Roggen und
freie Weide
für eine Kuh im Wittenbrook zu. Da all
dieses zum Lebensunterhalt nicht ausreichte, mußte er einen Teil
seines Lebensunterhaltes durch den Bau von Backöfen bestreiten —
warum er als Schneider ausgerechnet Backöfen baute, kann ich nicht
sagen.
Der erste Holtenauer Schulmeister unterrichtete über vierzig Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 1784. Was aus seiner Witwe in diesen harten Zeiten geworden ist, ist leider nicht verzeichnet. Es findet sich nur folgende Anmerkung:
Auf der durch Oberinspektor Holm mir geworden Nachricht, dass der Schulmeister zu Holtenau mit Tode abgegangen, erwidere ich, dass die Witwe bis Ostern sitzen bleiben möge, binnen welcher Zeit Ew. Hochedlen zur ferneren Besetzung einen geschickten Mann in Vorschlag bringen wollen.
Graf von Schack.
Mähls Nachfolger, der Schulmeister Bendix Sievers, ebenfalls Schneider von Beruf und aus Preetz kommend, wurde ebenfalls vom damaligen Pastor Panitz examiniert und als fähig befunden. Das mag ein Zufall gewesen sein, oder aber uns einiges über die damaligen Schneider sagen. Der Oberinspektor Holm schreibt 4 Monate nach dem Tod des ersten Schulmeisters folgendes an den Grafen Schack-Schackenborg:
Habe nun einen Menschen in Vorschlag zu bringen, der zu dem Schuldienst in Holtenau Lust hat; da dieser Dienst besonders klein, so muß es ein Mann sein, welcher ein Handwerk dabei hat; denn sonst kann keiner davon leben. Der Verstorbene war ein Schneider, und dieser ist auch ein Schneider und heißet Bendix Sievers, wohnet in Preetz, ehemals in der Festung Friedrichsort. Pastor Panitz hat ihn examiniert und gefunden, daß er vollkommene Fähigkeiten dazu hätte.2
Wie prekär die materielle Situation für diese ersten Holtenauer Schulmeister gewesen sein muß, wird beispielsweise daran deutlich, das Bendix Sievers im Jahre 1790 gezwungen war, die andere Hälfte der Schulkate auf eigene Kosten hinzu zu mieten, da sich die Zahl der Schüler inzwischen so stark erhöht hatte. Weitere vier Jahre später ging Sievers nach Pries, weil er dort besser bezahlt wurde!
Über die beiden ersten Holtenauer Schulmeister findet sich in
einem Schreiben des Seekamper Gutsherren aus dem Jahre 1790
hinsichtlich der Gehaltsforderungen
des Bendix
Sievers folgendes:
In vorigen Zeiten war nämlich nur ein Schulhalter im Gute, im Dorfe Pries. Dieser Dienst besteht noch und ist bekanntlich vorzüglich gut. Die Holtenauer Kinder gingen vormals ebenfalls bei diesem Lehrer in die Schule. Weil aber die weite Entfernung ihnen den Weg beschwerlich machte und es sich traf, daß ein Leibeigener zum Schulmeister tüchtig und derselbe mit einer jährlichen Besoldung von 7 Reichstalern, der Hälfte des Hauses, einer Tonne Roggen jährlich und freier Weide und Fütterung für eine Kuh friedlich war, so wurde selber zur Erleichterung der Holtenauer Kinder unter solchen Bedingungen zu diesem Dienste angenommen. Nach seinem vor einigen Jahren erfolgten Ableben meldete sich der jetzige Schulmeister, ein Freigeborener zu solchem Dienste. Er wußte die geringen Einkünfte desselben, war aber davon zufrieden und nahm ihn unter solchen Bedingungen an, wie es ihm auch in den ersten Jahren nicht eingefallen ist, eine Verbesserung zu verlangen. Er hat also nicht das geringste Recht, etwas mehr zu begehren, weil, wenn der Dienst zu klein gewesen wäre, er nicht um denselben bitten, geschweige ihn antreten müssen.3
Zur damaligen Zeit wurden den Schülern nur Grundkenntnisse beigebracht, die kaum darüber hinausgingen, einfache schriftliche Anweisungen lesen zu können, geringe Rechenfertigkeiten zu besitzen und den eigenen Namen schreiben zu können.
Das nachfolgende Zitat stammt aus einer Beurteilung der Lehrer des Dänischen Wohldes aus dem Jahre 1790:
Die wenigsten Lehrer kennen die Hochdeutsche Sprache und sind noch weniger geschickt, sie dürftig zu sprechen. Zur Buchstabenkenntnis, zum Lesen und Auswendiglernen des Katechismus, dessen Auseinandersetzung aus Mangel an Sprach- und Sachkenntnis ein wahres Pasquill auf Vernunft und Religion ist, führen sie die Kinder an. Der größere Theil schreibt elend, versteht vom Rechnen nichts, und kann es recht gut entbehren, weil aus leicht zu errathenden, aber falsch kalkulierten Ursachen bisher auf vielen Gütern untersagt war, Unterricht im Schreiben und Rechnen zu ertheilen.
Daß es mit der Schulbildung nicht weit her gewesen sein kann,
zeigt sich auch daran, daß die Holtenauer Hufner bei Aufhebung der
Leibeigenschaft und der
folgenden käuflichen Übernahme ihrer Hufen
nicht in der Lage gewesen sein sollen, die Abfindungsurkunde dafür
alleine zu unterschreiben, sondern sich durch den Landvermesser
die Hand führen lassen mußten. Einzig der freie Prieser Halbhufner
Hermann Burchard war in der Lage mit einem H. B.
zu unterzeichnen.
Mit der Aufhebung der Leibeigenschaft im Jahre 1791 ging auch die bisher gutseigene Schulkate in den Besitz der Holtenauer über. Obwohl die Einwohnerzahl Holtenaus seit einem halben Jahrhundert nahezu unverändert geblieben war, hatte sich die Zahl der Holtenauer Schüler bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts so stark erhöht, daß man sich nach einem größeren Schulgebäude umsehen mußte.
Im Jahre 1818 wurde schließlich dem Hufner Röpsdorf Bauland für ein neues Schulgebäude abgekauft. Die Gutsverwaltung auf Seekamp stellte unentgeltlich Bauholz zur Verfügung und der Bau für 50 bis 60 Schüler konnte ein Jahr später in der verlängerten Achse der heutigen Kastanienallee, d. h. an ihrem heutigen Standort, fertiggestellt werden. Zur neuen Schule gehörten auch eine Lehrerwohnung und Räumlichkeiten für den der Schule angeschlossenen landwirtschaftlichen Betrieb, zu dem 3 ha Land im Gebiet am heutigen Hochbrückendamm gehörten — ob diese angeschlosssene Landwirtschaft der Schulbildung oder aber der Ernährung der Lehrkräfte dienen sollte, kann ich nicht sagen.
Abb.: In Schmidts Gasthof, der am
Eiderkanal lag, fand nach einem Brand
der Schulunterricht statt.
Im Jahre 1837 gab es bereits 107 Schulkinder, so daß das
Schulgebäude erneut vergrößert und bei dieser Gelegenheit auch
restauriert werden mußte. Dieses neue Schulgebäude wurde 1874
durch ein Feuer zerstört, so daß der Schulunterricht auf
Initiative des Lehrers Paul Wulff zwischenzeitlich im Saal von Schmidts Gasthof
,
welcher sich an der Stelle des heutigen Restaurants Waffenschmiede
am
heutigen Friedrich-Voß-Ufer
befand, stattfinden mußte. Im Jahr 1876 wurde dann das Schulhaus
samt Wirtschafts- und Latrinengebäude neu aufgebaut.
Die Holtenauer Schule, die 1837 gerade einmal 107 Schüler hatte,
blieb noch bis in das Jahr 1890 einklassig, dann entwickelten sich
die Schülerzahlen aufgrund des durch den Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals bedingten
Bevölkerungswachstums kontinuierlich in die Höhe. Der erste
Gottesdienst der jungen Holtenauer Kirchengemeinde
wurde am 4. August 1895 in der Holtenauer Schule abgehalten. Im
Jahre 1899 waren es bereits 258 Schulkinder und in diesem Jahr
wurde auch die Schule am Schusterkrug als Strandschule
errichtet, anfangs mit zwei Klassen und 140 Schülern, doch bereits
im Jahre 1902 mußte die Strandschule um zwei Klassen erweitert
werden. In diesem Jahr gingen in die 242 Kinder in die Holtenauer
Schule, 1904 waren es bereits 312 Schulkinder. Mit dem Ausbau der
dortigen Marinesiedlungen kamen 1917 zwei weitere Klassen hinzu.
1926 wurde die Strandschule der
Volksschule Pries-Friedrichsort eingegliedert. Seit 1948 wird sie
Schule Schusterkrug
genannt.
Abb.: Die alte Schule, Blick von
der Kastanienallee.
Im Jahre 1907 mußten die Holtenauer Landgemeinde ihre Schule erneut vergrößern und daher wurde an das bisherige Schulhaus noch ein Klassenhaus angebaut. Seit 1908 gab es daher eine Schule mit 5 Klassenräumen und 5 Lehren, die in 6 Schulklassen 365 Kinder unterrichten mußten. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Schule im Jahre 1913 wiederum vergrößert, so daß 8 Klassen mit insgesamt 450 Schulkindern unterrichtet werden konnten.
Abb.: Schulklasse
Frau Dahms.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Mittelbau errichtet und im Jahre 1928 die alte Turnhalle in der Richthofenstraße gebaut, sowie die Verbindungen zwischen den drei Schulgebäuden. Es entstanden das Lehrerzimmer und die Schulbücherei. Noch vorhanden ist der alte Teil der Schule, in dem sich heute das Rektorat befindet.
In den Kriegsjahren 1942-45 war die Holtenauer Schule weitgehend geschlossen, da auch viele Holtenauer Kinder im Rahmen der Kinderlandverschickung auf das Land oder in andere nicht durch Bombenangriffe bedrohte Gebiete evakuiert worden waren. Wenn überhaupt Unterricht stattfand, dann oft in dem in unmittelbarer Nähe gelegenden Wendenburg-Bunker. Im April 1945 wurde die Schule schließlich ganz geschlossen.
Während des Krieges standen auf dem Schulhof Wehrmachtsbaracken. Schon 1938 wurde die Holtenauer Turnhalle für die Einlagerung von Getreidevorräten zweckentfremdet und zu Kriegsbeginn wurde hier ein Verpflegungslager der Kriegsmarine eingerichtet, später wurde dann wieder Getreide eingelagert.
Auch mehrere Klassenräume der Holtenauer Schule wurden mit Heimatvertriebenen belegt, so daß bei Unterrichtsbeginn am 1. September 1945 nur in vier Klassenräumen unterrichtet werden konnte. Aufgrund der fehlenden Räumlichkeiten und der stark gewachsenen Schülerzahl mußten die 8 Klassen im Schichtbetrieb in 4 freien Räumen unterrichtet werden.
Abb.: Umzug zum
Schulfest in der oberen Richthofenstraße.
Wie schwierig die Situation für die Holtenauer Schüler und Lehrer in der unmittelbaren Nachkriegszeit gewesen sein muß, verdeutlicht folgender Bericht eines im Januar 1946 nach Holtenau versetzten Lehrkraft:
Die Nachkriegszeit begann in der Schule Holtenau mit 305 Schülern in vier Mädchen- und vier Jungengrundschulklassen, doch dieses Angebot reichte aufgrund der vielen hinzu kommenden Flüchtlingskinder nicht aus, so daß ein Teil der inzwischen auf über 800 angewachsene Zahl von Schülern auch in einer sich auf dem Schulhof befindlichen Wehrmachtsbaracke unterrichtet werden mußte. An sich schon eine recht wackelige Konstruktion wurde die Wehrmachtsbaracke mit einem riesigen Kanonenofen beheizt, dessen Wärme sich jedoch sehr ungleichmäßig im Raum verteilte: Saßen die Schüler um den Ofen herum bei 30 Grad im Hemd, so mußten die an den nicht isolierten Außenwänden sitzenden Schüler ihre Wintermäntel anbehalten!
Dazu schreibt 1960 die Volkszeitung
:
Der Bretterboden schwankt beim Gehen unter den Füßen, an einigen Stellen könnte man die morschen Wände mit dem Finger durchstechen, und der Hausmeister mußte einige Fenster zunageln, weil sie beim Öffnen buchstäblich aus dem Rahmen fielen.4
Der ehemalige Holtenauer Lehrer Karl-Heinz Pentz berichtet dies auch in einem Bericht über die Vorgeschichte des Schulneubaus:
Auch für die Grundschule Holtenau gab es seitens der britischen Besatzungsmacht Bestimmungen, die unter anderem auch dazu dienen sollten, ein Wiederaufleben des deutschen Militarismus zu verhindern. So mußten nach dem Krieg alle wieder eingestellten Lehrer eine Erklärung unterschreiben, in der es unter anderem hieß:
Ich weiß, daß ich in meinem Unterricht alles zu unterlassen habe, was geeignet ist, den Militarismus zu verherrlichen, … Ich werde in meinem Unterricht nicht eingehen auf die Praxis des Krieges, der Mobilisierung oder Kriegsvorbereitung … Ich werde meinen Unterricht in den Leibesübungen nicht so weit ausdehnen, daß er zu einer militärgleichen Ausbildung führt.
Neben anderen militärischen Einrichtungen wurde Anfang 1947 in
Holtenau für die Kinder aus britischen Familien das 21
Field Regiment’s Education Center
ins Leben gerufen.
Hier wurden in drei Klassen Kinder zwischen 6 und 14 Jahren durch
4 Regimentslehrer und eine Lehrerin unterrichtet. Die so genannte
„englische Schule” war in einer mit Backsteinen umfaßten
ehemaligen Wehrmachtsbaracke untergebracht und existierte bis
Anfang der 1960er Jahre.
Abb.: Die
Englische Schule.
Die Einwohnerzahl, die kurz nach Kriegsende aufgrund der Flüchtlinge aus den ehemaligen
Ostgebieten einen Höchststand erreicht hatte um dann wieder zu
sinken, stieg in den folgenden Jahren kontinuierlich an. Innerhalb
weniger Jahre verdreifachte sich die Schülerzahl aufgrund der
großen Zahl neuer Einwohner um dann aber bis 1965 kontinuierlich
abzufallen.
Diese Verringerung der Schülerzahlen war nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, daß ein immer höherer Prozentsatz der Schüler weiterführende Schulen besuchte. Erst mit dem Bau neuer Siedlungen in Holtenau und dem damit verbundenen verstärktem Zuzug stieg die Schülerzahl wieder an.
Abb.:
Neubau der Schule 1961. Rechts der Altbau. (© Magnussen).
Im Jahre 1961 wurden die heute bestehenden neuen Schulgebäude mit 18 Klassenräumen errichtet, wobei auch das älteste Schulgebäude, die Rektorswohnung, abgerissen wurde. Die Räume des noch bestehenden gebliebenen Altbaus wurden zum neuen Zimmer des Rektors, zum Lehrerzimmer und zur Bücherei umgebaut.
Ein Jahr nach der Einweihung des neuen Schulgebäudes kam es zu einem spektakulären Deckeneinsturz, der auch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nach sich zog. Dieser verlief, da er nachts passierte, zum Glück ohne Personenschäden, führte aber dazu, daß der Unterricht im gesamten Neubau eingestellt werden mußte und erst nach Abstützung der Decken wieder aufgenommen werden konnte.
In den 1970er Jahren verringerte sich — wie überall im Lande — allmählich die Schülerzahl. Zu Beginn der 1970er Jahren lag die Schülerzahl bei knapp 700 bei 25 Lehrkräften. Auch die Zahl der Schüler, die einen Hauptschulabschluß anstrebten, verringerte sich kontinuierlich. Da infolgedessen mehrere Kieler Hauptschulen geschlossen werden mußten, war die Schule in Holtenau die einzige Hauptschule nördlich des Kanals. Zum 250jährigen Schuljubiläum besuchten noch 267 Schüler, die von 17 Lehrkräften unterrichtet wurden, die Schule.
1981 wurde am Groenhoffweg eine neue Turnhalle gebaut, die gemeinsam mit dem TuS Holtenau genutzt wird.
Im Jahre 1991 konnte die Schule schließlich ihr 250jähriges Bestehen feiern:
Sie ist eine der ältesten Einrichtungen am Ort. Alle Veränderungen des früheren Dorfes, des heutigen Stadtteils Holtenau, hat sie überstanden. Diese Kontinuität war nur möglich, weil sich die Schule laufend veränderte, um den wechselnden Schülerzahlen, den sich wandelnden pädagogischen Anforderungen und damit den Menschen gerecht zu werden.5
Claus-Rixen-Schule
(in der Gemeinde Altenholz). Claus Rixen war seit 1787 Lehrer
auf Gut Knoop an der Schule
Klausdorf. Claus Rixen hatte sich in den vorangegangenen
Jahren als Lehrer auf Groß-Flintbek für die Verbesserung der
Bildung der Landbevölkerung und der Landwirtschaft eingesetzt.6
Siehe auch:
© Bert Morio
2026 — Zuletzt geändert: 26-06-2021
Giertz, Walter: Ende der Leibeigenschaft in Holtenau, Holtenauer Hefte, Informationsheft 2, Kiel 1991, S. 9f. ↩
Grund- und Hauptschule Holtenau: 250 Jahre Grund- und Hauptschule Holtenau. 1741 - 1991, Kiel 1991, S.7. ↩
Giertz, Walter: Ende der Leibeigenschaft in Holtenau, Holtenauer Hefte, Informationsheft 2, Kiel 1991, S. 10f. ↩
Volkszeitung: Schulbaracke mit zugenagelten Fenstern, 10.02.1960. ↩
Grund- und Hauptschule Kiel-Holtenau: Grund- und Hauptschule Kiel-Holtenau - 1741 -1991, Kiel 1991, S. 2. Aus dem Grußwort des Schulträgers. ↩
Claus Rixen (*1764; †1843) war einer der ersten Absolventen
des Kieler Lehrerseminars. Interessanterweise war es der
Holtenauer Schulmeister Claus Duus, der in der Allgemeinen
Schulzeitung
von 1844 einen längeren Nachruf
auf den Lehrer Claus Rixen verfaßte (Vgl.: Allgemeine
Schulzeitung, Nr. 60, 16. April 1844, S. 481f.). ↩